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Life advices from an old bearded man — Herr Nora RSS



Der lausige Begleiter (Teil 5)

Ohne auf meine Anweisung zu warten, stoßen die Stalljungen Kampfgeheul aus und stürmen mit ausgestreckten Mistgabeln in die Schatzkammer.  Ich hole tief Luft und nicke Wilhelmina zu. Wir treten ein. Und befinden uns in einer anderen Welt. Schnelle, surrende Geigenmusik empfängt uns, ich weiß was das ist: Vivaldi- der Sommer (https://www.youtube.com/watch?v=HZQ83erTHUQ) In blitzendem Stroboskoplicht erkennen wir sich ekstatisch bewegende Weberknechte, wild auf und ab springend, Ritterrüstungen und Goldmünzen schwenkend, die feinen Glieder fahl im Diskolicht aufleuchtend. Unbewusst fängt mein Kopf auch an, im Takt der Musik zu wackeln und mein Fuß tippt mit, dieses Lied ging mir schon immer unter die Haut. Einen kurzen Augenblick später bemerke ich ein paar klassische Musiker, die zwischen den Schätzen verteilt herumsitzen und offenbar für diese krasse Musik...

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Der lausige Begleiter (Teil 4)

Ein dumpfer Gong ertönt. Das bedeutet: Versammlung, das wissen alle. Kurz darauf hört man das Getrappel von Füßen, dabei haben wir doch eigentlich gar nicht so viele Bedienstete. Ich sitze zusammengekauert in meinem Lieblingssessel in der Bibliothek und betrachte nachdenklich eine Eislandschaft in meinem Bildband Grönlands. Eisiges blau, ich habe gerade gelesen, je blauer das Eis ist, desto älter ist es. Faszinierend. Ich blicke sinnierend aus dem Fenster und denke darüber nach, wie sich die Welt verändert hat, während das Eis immer da war, nur blauer und blauer wurde. Jeden Tag ein wenig blauer. Und jetzt wurde es nicht mehr blauer, dachte ich bitter, sondern verschwand. Ich hätte so gern gesehen, wie blau es noch werden kann- Aquamarinblau? Rosmarinblau? Narzissfarben? Leider sollte...

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Der lausige Begleiter (Teil 3)

Mit in die Seite gestemmten Armen starren die random person und ich zu dem armen Herrn Dustewitz hinab. Zusammengekauert, ein Häufchen Elend, sitzt er an der Wand und schaut flehendlich zu uns hinauf. Arthur, der Butler, hockt miesepetrig auf einer Treppenstufe und lutscht an seinem Finger, den er sich bei dem Sturz gestoßen hat. "Ich verstehe es nicht." Sage ich zum wiederholten Mal kopfschüttelnd. "Was um alles in der Welt sollte das!?" "War DAS gerechtfertigt?!" Wirft die random person ein, um auch etwas zu sagen. "Sie wissen doch sicher, was das bedeutet." Die random person nickt eilig und fügt hinzu: "Sie können froh sein, nicht mit einer Anzeige rechnen zu müssen!!" Herr Dustewitz schluckt. "Darf ich.. darf ich kurz was sagen?" Fragt er heiser...

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Der lausige Begleiter (Teil 2)

Unser Sekretär kniete auf dem Kaminvorleger und warf mit Schrauben auf einen sehr großen, aber zarten Weberknecht auf der anderen Seite des Zimmers, der mit seinen dünnen Spinnenbeinen in Todesangst hin und her hüpfte. Statt des Weberknechtes traf unser Sekretär (Herr Dustewitz) ständig irgendwelche wertvollen Artefakte, die wir von unseren zahlreichen Weltreisen als Andenken mitgebracht hatten. Diese fielen nun rumsend um, zerbrachen klirrend explodierten und knallten ... und die uns, nun ja, warum es nicht so sagen, wie es ist, eigentlich sehr viel bedeuteten. Wie zum Beispiel die alabasterfarbene Vase aus einer südchinesischen Provinz, die wir nur durch knallhartes Verhandeln mit einem schwitzigen Zahnarzt bekommen hatten. Erst später bemerkten wir, dass auf dem Boden der Vase Rauschgift versteckt war, eine glückliche Fügung, wie ich fand,...

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Muttergefühle von Herrn Nora

"Fuck!!" Rief ich und schüttelte das Baby.  Irgendein gehirnamputiertes Meeresungeheuer hatte mal wieder seinen Pizzakarton vor meiner Haustür liegen lassen, und zwar geöffnet, mit Inhalt, und ich war reingetreten. Nun schon zum 13. Mal. Ich zog meinen Fuß aus dem geschmolzenen Käse und hüpfte auf einem Bein bis zu meinem Auto, das Baby tröstend schaukelnd. Es hatte sich beruhigt. Ich musste es nämlich zurückbringen zu seiner Mutter. Sie hatte es mir überlassen, für die Dauer ihres Gesangsworkshops, weil es nicht alleine sein durfte. Ich lasse mich hinters Lenkrad fallen, stopfe den Schlüssel ins Schloss und fahre los. Fröhlich sitzt das Baby beim Fahren auf meinem Schoß und kichert. Ein süßes Ding, sein Name ist Moritz, ich werde es vermissen. Zeit...

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