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[8.7] Die Demonstration


Und da hören sie es.

Ein langgezogenes, ohrenbetäubendes Trompeten.

Sie bleiben wie erstarrt stehen.

Und kurz darauf bricht ein Elefant durch die Bäume.

Er schlägt wild mit seinem Rüssel hin und her, die Augen dämonisch in alle Richtungen rollend. Aber der Elefant ist nicht alleine.

"Was ist denn mit dem los" flüstert der Dickbäuchige erstarrt, das Pilzkörbchen achtlos am Arm baumelnd.

Es ist ziemlich offensichtlich, was mit ihm los ist. Auf seinem breiten Rücken demonstrieren ca. 30 Wildschweine gegen irgendwas undefinierbares.

Sie halten ein Transparent vor sich ausgebreitet auf dem steht: "Faschismus ist für alle da" und jubeln.

Der Graf stöhnt: "Nicht schon wieder. Das mit den Demos haben sie sich von uns abgeguckt, aber noch nicht verstanden, dass der Grund für die Demo auch mit den Botschaften auf ihren Transparenten zusammenhängen muss ach herrje. Sie demonstrieren eigentlich dagegen, ausgerottet zu werden, was ja noch irgendwie verständlich ist, ist aber alles ein einziges Chaos."

Auf dem Kopf des Elefanten steht waghalsig ein Wildschwein mit einem Megaphon und feuert die Meute an.

"Wollen wir weiter ausgerottet werden?"

"NEIN WOLLEN WIR NICHT!" Brüllen alle zurück.

"Fühlen wir uns noch sicher in unserem Wald?"

"NEIN TUN WIR NICHT"

"WAS WOLLEN WIR ALSO??"

"ABSCHIEBESTOP FÜR ALLE SCHWEINE, EGAL OB SICHERES HERKUNFTSLAND ODER NICHT!!" (Da wurde das Geschreie ein wenig durcheinander.)

Ein anderes Schwein aus der Masse schwenkt ein Schild auf dem steht: "Weg mit den Homos" und ein anderes Schwein quiekt: "Love wins!"

Ein Zeppelin fliegt am Himmel entlang, an dessen Ende ein riesiges Banner im Wind flattert, auf dem die Worte stehen: "FICK RWE - DAS IST UNSER WALD"

"Fick Rewe? Hä?" flüstert der kleine Wasserkocher, unter dem Schwein schwankend, "sind die zu teuer geworden?" Der Graf zuckt genervt mit den Schultern: "Die vermixen alles. Die demonstrieren jeden Mittwoch und nennen es dann 'Montagsdemonstration', weil sie das auch irgendwo gehört haben, aber sich mit den Wochentagen nicht auskennen. Hab ich Trottel blöderweise vergessen, als ich die Jagd für heute angesetzt habe."

"Warum ballern wir sie nicht einfach alle jetzt ab!!" Zischt die steife Frau mit der hochgesteckten Lockenfrisur manisch mit wildem Blick und vorgestrecktem Unterkiefer und spannt ihre Armbrust. "Ne lass." Sagt der Graf resigniert, "gibt zu viel Sauerei. Müssen wir nochmal in Ruhe machen, jetzt dampft die Kacke schon, am besten gehen wir alle in die Sauna und lassen uns mit Sandelbaumhölzern bewedeln."

Doch die Situation hat sich ein wenig gewendet.

Der Elefant ist jetzt merklich näher gekommen, immer noch panisch mit seinem Rüssel herumpeitschend, die Wildschweine auf seinem Rücken nun völlig entfesselt.

Das Anführerschwein auf dem Kopf des Elefanten brüllt unbeherrscht ins Megaphon: "WIR FORDERN PRESSEFREIHEIT"

"JA!JA!JA!" Die Wildschweine springen auf uns ab, das Faschismusbanner ist fast in zwei gerissen, ein Schwein brüllt: "Orgamus ist für alle da!!!" "Faschismus man!!" Brüllt ein anderes, "alles das gleiche!!" Quietscht ein drittes und purzelt rücklings vom Elefanten. "Weg mit den Homos, weg mit den Homos!!" Kreischt das vierte, kriegt vom fünften eins aufs Maul, der ruft:" Du scheißatomkraftwerk!!" "ICH bin doch nicht das Atomkraftwerk!!"

"Erdogan aufs Maul!!aufs Maul!! aufs Maul!!" Brüllen nun alle einheitlich im Chor und recken die Fäuste. Erdogan schaut hinter einem Baumstamm hervor und fragt: "Wer hat mich gerufen?" 

Der Graf zieht zischend Luft durch die Zähne und sagt: "Gleich eskaliert alles."

Der Elefant wird durch die rhythmische, immer krasser werdende Sprungbewegung der Schweine nun auch bei jedem Sprung mit hochgerissen und donnert jedes Mal wieder auf den Waldboden.

Verzweifelt hat er sich mit dem Rüssel um einen Baum gewickelt, der aber auch schon bedrohlich schwankt, wodurch ein Vogelnest auf den Boden kracht und ca. vier Eier zerbrechen. "Jetzt werden unschuldige Leben geopfert, typisch Faschismus." Murmelt eine der Ladies kopfschüttelnd, mit verschränkten Armen.

Die ganze Jagdgesellschaft ist mittlerweile wieder versammelt und steht ratlos am Rand, dem Schauspiel leicht unbehaglich beiwohnend.

Der Elefant wird immer höher mit hochgerissen und donnert jedes Mal heftiger zurück auf den Waldboden, auf dem sich bereits Risse bilden.

Die Schweine kreischen im Takt: "Me gusta la Gasolina" und das intellektuelle kleine Männchen murmelt nur: "So werden wir sie doch erst recht ausrotten. Kann doch keiner gebrauchen." Und lehnt sich schulterzuckend an einen Baumstamm.

Fortsetzung folgt: 02. November 7:00


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