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Das goldene Zimmer (29)


Die Ärzte laufen in großen Schritten vorweg und unterhalten sich hastig flüsternd über ihre ausstehende Mitarbeiter des Monats Titelverleihung.

"Was ziehst du an??" Murmelt Jürgen dem anderen Arzt zu.

"Weiß nicht" murmelt der zurück "vielleicht den Frack, den mein Großvater zu seiner Hochzeit trug... Glaubst du, wir sollten eine Rede halten?"

"Wurde doch bisher jedes Jahr so gemacht, oder?"

"Neinneinnein, das kann ich nicht. Da werden meine Hände ganz schwitzig und mein Kopf ganz rot und ich fange an zu stottern."

"Das passiert den Besten - nimm einfach Ritalin." Rät ihm Jürgen wohlmeinend, und so weiter und sofort.

Sie laufen immer noch den langen Flur entlang und sind nun kurz vor dem dunklen Rohr, durch das sie durchkrabbeln müssen.

Auf einmal drehen sich die beiden Ärzte blitzartig um.

"Ihr dürft keinem von diesem goldenen Zimmer erzählen!!" Sagt der Arzt, der nicht Jürgen ist, eindringlich.

Überrascht von dieser plötzlichen Ansprache laufen Joao, die Ladies, der Dicke, Samuel, Fiona und der Wachmann ineinander.

Der Dicke hat sich als erstes gefasst.

Er fragt herausfordernd: "Wieso??"

"Weil uns das alle in Teufels Küche bringt!!!" Zischt Jürgen. "Habt ihr verstanden?? Und jetzt weiter! Los - ihr zuerst!" Die Ärzte scheuchen alle nacheinander in das Rohr hinein und klettern dann selbst hinterher. 

Kurz darauf sind sie in der Dekubitusabteilung, wo immer noch riesige Fleischberge von Menschen hin und hergewälzt und durchgeknetet werden.

Der überdrehte Wachmann macht sich einen Spaß daraus, die Magensonde in verrückten Sinuskurven auf die Fleischberge zu sausen zu lassen, die daraufhin noch lauter röhren und sich in letzter Minute aus dem Weg schmeißen. 

In der Rhinitisabteilung liegt immer noch die Oma auf ihrer Liege und funkelt sie böse an, mit grotesk auseinandergedehnten Nasenlöchern. Sie versucht, ihnen irgendetwas zuzuschreien, was aber keiner versteht und sie halt echt auch nicht interessiert. 

Dann stehen sie wieder vor dem Krankenhaus.

Der Wachmann lässt die Magensonde hoch über ihren Köpfen ruhige Kreise fliegen, wo sie von Vögeln neugierig beäugt wird ("Was ist denn das für ein Kollege" krächzt ein Rabe einem Spatz zu, der nur ratlos mit dem Köpfchen zuckt und "weiß nicht" piepst, als die beiden nebeneinander vorbeifliegen.) 

Der Dicke atmet stoßhaft aus, als habe er gerade einen Marathon hinter sich, und stemmt die Hände in die Hüften. "Das war ja was!" Sagt er stolz.

Dann wendet er sich mit erhobenem Zeigefinger an Joao: "Ich wünsche mir übrigens immer noch die Tangoeinlage von Ihnen, zur Hochzeit meiner Nichte!! Dass das bloß nicht in Vergessenheit gerät!"

Doch Joao starrt nur abwesend in die Ferne und murmelt nachdenklich vor sich hin: "Was wohl mit der Oma los war... die hatte doch echt nicht alle Tassen im Schrank." 

Da hören sie schnelle, schlurfende Schritte hinter sich. 


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