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[5.5] We love Dekubitus


 

Ein komplett anderes Bild bietet sich ihnen.

Große Matten liegen auf dem Boden, auf denen fleischige, bleiche, riesenhafte menschliche Körper von schweißüberströmten Pflegern durchgeknetet werden. 

Verstört laufen sie an dem sich ihnen darbietenden Schauspiel entlang.

"Was passiert hier" flüstert der Wachmann, den glasigen Blick auf einen lauthals röhrenden Mann gerichtet, der von zwei Pflegern unter gewaltigem Kraftaufwand hin und hergewuchtet wird, das Bauchfett links und rechts laut auf die Matte klatschend, seine Arme willenlos über den Kopf gereckt. 

Daneben wird eine laut kreischende, elefantöse Blondine bearbeitet, an deren monströsen Oberschenkeln vier erschöpfte Pfleger gleichzeitig kneten.

Sie gehen weiter, vorbei an bleichem, wabbelnden Fleisch. Der strenge Geruch von Schweiß und Exkrementen liegt in der Luft. 

Nur der Dickbäuchige murmelt glücklich vor sich hin: "Na im Vergleich zu euch bin ich doch ein wahres Prachtexemplar." 

Dann kommen sie zur nächsten Milchglastür.

Hier steht: "OP- Kein Zutritt"

Unwirsch drückt der eine Arzt die Tür auf und sie gehen hinein.

Nun stehen sie in einem riesigen Raum voller OP- Tische. Unter riesigen, schirmhaften Lampen liegen Kranke und Verletzte und jammern und wimmern, fast wie in einem Kriegslazarett.

"Kommt mit, kommt mit" ruft Jürgen und sie folgen ihm.

Doch wider erwarten bleiben sie nicht an einem der Tische stehen, sondern gehen weiter, durch eine andere Tür, eine Treppe herunter, krabbeln hintereinander durch ein dunkles Rohr und gehen dann einen dunklen Gang entlang.

Dann durch noch eine Tür.

Und auf einmal stehen sie in einem komplett goldenen Zimmer.

In der Mitte steht ein prunkvoller OP- Tisch.

Ein Mann mit geschlossenen Augen liegt dort ausgestreckt. Er hat eine herrschaftliche Adlernase und ist so bleich wie ein Vampir. Außerdem ist er gekleidet wie der gestiefelte Kater.

Er trägt sogar eine Krone. Fast wie ein König! Oder vielleicht sogar genauso wie ein König.

Eine Frau sitzt auf einem thronartigen Stuhl neben dem Bett und weint. Zwei Kinder sitzen betreten guckend daneben. Beide tragen Lederhosen und festgezurrte Hosenträger über blütenweißen Hemden. Sie sitzen kerzengerade und artig auf ihren Stühlen, ohne sich zu rühren. Und außerdem lümmelt dort ein anderer teilnahmslos guckender Kerl mit einer Mistgabel in der Hand herum, der hier irgendwie nicht ganz hinzupassen scheint.

Alle drängeln sich hinein. Der Arzt namens Jürgen wirft die Arme in die Luft und sagt: "Tja. Jetzt seid ihr dran."


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