Groteske Zangen (24)


Natürlich entbrennt wieder eine hitzige Diskussion.

"Du weißt doch nicht, was du tust!!" Schreit die eine Lady schrill.

Und der Wachmann ruft heiser mit fleckigem Hals: "Jetzt wird noch jemand geopfert."

Samuel brüllt: "Das ist doch komplett sinnlos!!! Wir kriegen nicht mal was von den blöden Ärzten, wir sind frei und seine blöde Tante interessiert uns auch nicht, was machen wir hier eigentlich!!"

Der Dicke, der sich jetzt scheinbar irgendwie mit der Wendung der Dinge abgefunden hat, murmelt nur ruhig lächelnd: "Gottes Wege sind unergründlich" und spielt dabei mit einem kleinen Windrad an seinem Schlüsselbund.

Fiona verdreht die Augen, schlägt mit ihrem zackigen Schwanz gegen die Wand und maunzt zwischendurch: "Wäre doch bloß mein Koffer angekommen."

Woraufhin Joao aufbrausend ruft: "Und hätte ich meinen nicht verloren!! Da war mein ganzes Parfüm drin!"

Kurz darauf sind auch die Ärzte wieder da, mit zwei schleimigen kleinen Würmern aus der Türkei.

Sie waren schlau genug, vorher feste Gummihandschuhe anzuziehen, bemerkt Joao anerkennend, damit die Blutegel sich nicht in ihre eigenen Hände graben.

"Kommt mit!" Sagt Jürgen und öffnet die Tür zur Rhinitisabteilung.

"Da gehen wir nur durch" kündigt er an und sagt dann mit einem leicht schuldbewussten Ausdruck in den Augen: "Wir haben heute einen äähh etwas turbulenten Tag, deshalb ääh ja wundert euch nicht, wenn ihr ein paar komische Sachen zu sehen bekommt, das ist - ähh ja- nicht Normalität. chhrm." Er räuspert sich und sie gehen durch die Tür.

Sie kommen in einen breiten, langgezogenen Raum. Beide Seiten sind mit grünen Zahnarztstühlen gesäumt, auf denen hilflos Patienten liegen.

Riesige metallische Zangen greifen von hinten nach ihren Gesichtern und dehnen ihnen auf groteske Art und Weise die Nasenlöcher auseinander.

Riesige Scheinwerfer leuchten in die Nasenabgründe hinein.

Joao muss schlucken. Es ist ziemlich pervers.

Menschen in weißen Kitteln laufen gestresst herum, rufen: "Antoine kommst du mal bitte, schnell" und wedeln dabei mit furchterregenden Instrumenten.

"Im Prinzip kurieren wir hier nur Schnupfen" murmelt der Arzt, der nicht Jürgen heißt, unangenehm berührt und geht noch einen Schritt schneller. Eine der Ladies erbarmt sich und nimmt Joao auf den Arm, der mittlerweile große Schwierigkeiten hatte, bei ihrem Tempo mitzuhalten.

Dann sehen sie auch die Omi, hilflos auf einer Liege liegend, die sie mit grotesk gedehnten Nasenlöchern böse anfunkelt.

Sie gehen durch eine endlose Reihe von Liegen.

Irgendwann stoßen sie auf eine neue Tür aus Milchglas, auf der steht: "Dekubitusabteilung".

Sie gehen hindurch.


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