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Drama am Flughafen (2)


 

Es ist eine unruhige Nacht. Sicher, der kleine Wasserkocher war irgendwann eingeschlafen, aber nun fiel sein Kopf ständig auf ihre Schulter. Genervt rückt sie von ihm ab. 

Ihr Mund ist etwas trocken, deshalb drückt sie den "Waiter"- Knopf, oben über ihrem Sitz.

Ein Flugbegleiter stolpert mit müden Augen durch den Flugzeugkorridor und bringt ihr einen Plastikbecher Wasser. 

Sie trinkt in kleinen Schlucken und schaut dabei: "The Founder", die Geschichte des McDonald's Gründers durch eine riesige VR- Brille. Passend zu ihrer Situation, nur, dass sie leicht deprimiert überlegt, vielleicht doch eher in die Food Industry eingestiegen zu sein.

Aber nein.

Eigentlich nicht.

Es hätte keiner wissen können, dass Telefone mit Wählscheibe bald keiner mehr haben will.

Das hätte wirklich niemand wissen können.

Niemand.

Zwar benutzt vielleicht nur noch 1 Mensch in Europa so ein Telefon, aber trotzdem.

Sie zuckt mit den Schultern. Immerhin hat sie noch etwas Geld beiseite schaffen können, was genug sein sollte, für einen Neuanfang in einem anderen Land mit niedrigeren Lebenshaltungskosten, wie Argentinien.

Irgendwann fällt sie in einen unruhigen Schlaf, wobei sie zwischendurch aufschreckt, weil ihr Kopf nun bedrohlich nah an der Schulter des Wasserkochers gelandet ist.

Der lässt sich aber nicht nehmen, fürsorglich im Halbschlaf zu nuscheln: "Du kannst meine Schulter ruhig ausleihen, das macht mir nichts".

Nach einer gefühlten Ewigkeit erfüllt Frühstücksduft den Flugzeuginnenraum und die Lichter springen an.

Drei Stunden später beginnt der Landeanflug.

Mit nutellaverschmiertem Mund strampelt sich der kleine Wasserkocher aus Deckengewusel und Kopfhörerkabeln hervor, als das Flugzeug dröhnend aufsetzt.

Sie marschieren im Gänsemarsch aus dem Flugzeug und in den "Baggage Claim" Bereich, wo der kleine Wasserkocher schon nach ganz kurzer Zeit juchzend seinen überdimensionalen Rollkoffer in Empfang nimmt. Samsonite.

Stolz sagt er: "Da ist mein ganzes Parfüm drin."

Dann warten sie.

Und irgendwann sind alle Gepäckstücke abgeholt, und es kommen auch keine mehr nach.

Und Fiona steht allein und verlassen am Gepäckband, während ihr ganz langsam eine Träne aus den Augen tropft.

Aber dann gewinnt sie ihre Fassung zurück.

Sie springt auf einen Schalter, faucht, und versucht der armen Frau, die Gott sei Dank durch eine Glasscheibe geschützt ist, ihre Krallen durchs Gesicht zu ziehen.

Die Frau ruft: "Aaahhh du Biest, runter da!!!"

Aber Fiona ist wütend.

Ihr Koffer voll Geld ist weg. Ihre Lebensgrundlage!

Die Frau am Schalter starrt angsterfüllt durch eine Lücke zwischen einer monströsen Thermoskanne und einem riesenhaften Paket voll grüner Teeblätter.

Dann saugt sie verkrampft an einem metallenen Strohhalm. 

Fiona wirft ihr einen letzten vernichtenden Blick zu, als sie geschmeidig vom Schalter hüpft.

Denn jetzt hier seine Zeit zu verschwenden, macht ja wohl überhaupt keinen Sinn.

Fiona kämpft gegen die Panik an.

Ohne ihren Koffer ist sie vollkommen mittellos.

Erstmal auf die Toilette.

Zu allem Überfluss weicht ihr auch der kleine Wasserkocher nicht von der Seite.

"Ist dein Koffer denn so wichtig?" fragt er ununterbrochen, während er im Laufschritt neben ihr herhopst und an seinem Rollkoffer zerrt. 

Sie antwortet nicht und läuft zielstrebig auf die Damentoilette zu.

"Das ist eine Damentoilette!" Faucht sie, als der Wasserkocher kurz vor der Tür immer noch hinter ihr ist.

Doch "hups", der kichert nur überdreht und lässt sich nicht beirren.

Wütend drückt sie die Tür auf.

Sie gehen hinein.

Und bleiben wie angewurzelt stehen.


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